24. April 2016

Wandern in den USA: 5 Tage auf dem Appalachian Trail (AT) - ein Versuch

Schon vor einiger Zeit wurde durch eine Reportage im deutschen Fernsehen mein Interesse am Appalachian Trail, einem der 3 großen Weitwanderwege (Triple-Crown-Wege in den USA (PCT, CDT) geweckt, Ende Juli 2015 war es an der Zeit zu gucken, was es damit auf sich hat - 5 Tage auf den Spuren der "Großen"..

Vorwort

Screenshot aus der Doku untenDer Appalachian Trail ist ein 3500 km langer Fernwanderweg, der im Osten der USA durch die Appalachen vom Springer Mountain in Georgia zum Mount Katahdin in Maine führt. Durchwandert werden auf der gesamten Strecke 14 US-Bundesstaaten von Nord nach Süd (southbound) oder Süd nach Nord (northbound). Eröffnet wurde der Trail 1937, der erste thru- hike, also das Wandern des gesamten Trails in einer Saison gelang erstmals 1948.
Jährlich wandern 3 Millionen Besucher zusmindest abschnittsweise diesen Weitwanderweg, darunter nach Ausstrahlung dieser Doku auch sehr sehr  viele Deutsche - nicht nur einmal wurden wir unterwegs, nachdem geklärt war, dass wir aus Deutschland kommen, gefragt ob wir auch wegen der Doku hier wären - das hatte sich also rumgesprochen ;)


Planung

Wir hatten uns für unseren Test einen Abschnitt in den Green Mountains in Vermont ausgesucht, da er a) günstig auf unserer geplanten 3-monatigen Reiseroute durch die USA lag und b) Vermont ja auch unglaublich schön sein soll.
Die genaue Planung entpuppte sich als kompliziert, da es schwierig ist gutes Kartenmaterial für einzelne Abschnitte im Internet zu finden. Hilfreich ist die Seite der Appalachian Trail Conservancy mit einer Übersichtskarte des gesamten Trails und die Appalachian Trail Database, wo man unter anderem sehr übersichtilich für die einzelnen Bundesstaaten, die Shelters (Hütten) und Postämter des Trails findet. Nach Einfügen in Google My Maps (Anleitung hier), kann man gut nachvollziehen, wo der Trail lang geht und wo gute Zugangsmöglichkeiten sind. Daraus ergab sich unserer Plan in 5 Tagen von North Adams Richtung Norden nach Wallingford zu wandern.
Leider schlich sich ein Fehler in die Planung ein: Angaben in Meilen hielt ich für Angaben in Kilometern -  so wurden aus den gedachten 80 km plötzlich 130.. huch..
Unser Glück war letzllich, dass am Sonnatg, unserem geplanten Aufbruchtag keinen Bus nach North Adams fuhr und wir kurzfristig umplanen mussten, wobei dieser Fehler auffiel..
Wir haben uns dann entschieden aus der anderen Richtung von Wallingford bis nach Manchester oder eventuell auch weiter nach Bennington zu wandern, von wo aus es jeweils gute Busverbindungen gibt.

 Anreise

Warten auf den Bus in Albany
Bis Albany hatten wir einen Mietwagen, den wir dann gegen den Bus eintauschten - unser Weltreise-Gepäck haben wir bei der Amtrak Gepäckaufbewahrung am Bahnhof in Albany für 25$ gelassen. Sämtliche Busverbindungen kann man hervorragend über rome2rio herausfinden, eine vorherige Buchung war nicht notwendig. Mit der Kreditkarte konnte man bei VT Trans Lines im Bus direkt nicht zahlen, aber wir durften auf dem Rückweg vom Trail trotzdem mit und dann bei Ankunft in Albany am Schalter nachzahlen - sehr nett!!!


Die Tour - in 5 Tagen von Wallingford nach Manchester

Wir sind ohne Karte, aber mit unserem GPS-Gerät bewaffnet los gewandert, vorher hatte ich zudem die App AT Hiker (kostenpflichtig, mit Kartenmaterial für den Long Trail = der AT in Vermont) auf mein iPhone heruntergeladen, die sich als sehr nützlich und zur Orienteriung ausreichend erwies, denn hier ist der gesamte Trail mit Höhenprofil verzeichnet, inklusive Wasserquellen, Shelters usw. mit zusätzlichen Kommentaren anderer Wanderer und Ortung auf der Karte der App via GPS, also ohne Internetverbindung und auch bei fehlendem Handyempfang.


 
5 Tage AT in Vermont mit insgesamt 6500 m Anstieg und 6300 m Abstieg





 

Tag 1 - Wallingford zur Greenwall Shelter - 4 km

Der erste Tag war kurz, denn wir kamen erst nachmittags in Wallingford an und mussten dann noch 5 km zum Trail - zum Glück hat uns ein netter Einheimischer im Auto bis zur White Rock Recreational Area mitgenommen. Von dort aus begann dann unser  Abenteuer Appalachian Trail. Nach knapp 4 km immer bergauf  waren wir an unserem Ziel, der Greenwall Shelter angekommen und haben unser Lager aufgeschlagen. Beim abendlichen Kochen trafen auch einge thru-hiker ein und wir kamen ins Gespräch - ein schöner Abend.


Tag 2 - Greenwall Shelter nach Little Rock Pond - 8 km

An Tag 2 brachen wir erst spät auf und ließen es nach den morgendlichen Haferflocken eher gemütlich angehen. Es ging zunächst weiter fleißig bergauf auf knapp 700 m durch einen Steingarten an der White Rocks Junction und dann auf einem kurzen Seitenweg des AT zum White Rocks Cliff, von wo man einen schönen Ausblick auf die umliegenden Berge und unseren Startpunkt Wallingford hat.
Nach einem weiteren Steingarten auf 750m Höhe ging es zunächst leicht bergab durch den dichten Wald der Green Mountains, um dann auf den nächsten Gipfel mit  800 m zu stiefeln, im Anschluss geht es vornehmlich bergab zurück auf 550m am Little Rock Pond, unserem heutigen Ziel.
An sich kein übermäßig schwerer Abschnitt ohne technische Passagen auf guten Wegen, nur hatten wir leider Pech mit den eingezeichneten Wasserquellen: die 2 Bäche, die wir zum Auffüllen unserer Reserven eingeplant hatten, gab es leider nicht (mehr) und so hieß es bei 25°C im Schatten mit 1l Wasser für uns 2 zu rationieren. Nach 4 Stunden wandern war dann die 3. Wasserstelle zum Glück noch existent und wir konnten eine "Filterpause" einlegen und uns erstmal ordentlich hydrieren.. ;) In der jetzigen Version der App sind die versiegten Quellen übrigens nicht mehr eingezeichnet.
Da wir uns  ohne Wasser ganz schön gequält hatten, kehrten wir schon gegen 16:00 auf dem Zeltplatz der Little Rock Pond Shelter ein und genossen ein erfrischendes Bad im See.
Es gibt hier nur 4 Zeltplattformen, die schon besetzt waren, aber der Caretaker hat trotzdem noch ein Plätzchen für uns gefunden. Die Übernachtung kostete 5 Dollar, als thru-hiker gibt es eine Quittung, mit der man bei den weiteren Bezahlplätzen umsonst zelten darf - die haben wir auch bekommen, obwohl wir sagten, dass wir nur 5 Tage unterwegs sind - die sind alle sooooo nett hier ;)

 

Tag 3 - Little Rock Pond nach Griffith Lake - 15 km

ground squirrelNach den Erfahrungen vom Vortag begannen wir den 3. Tag damit, erst einmal ordentlich Wasser zu filtern, eine Quelle gibt es etwa 100 m entfernt von der Hütte. Und nachdem wir dann auch unser erstes Streifenhörnchen gesehen hatten, ging es weiter!
Den See lässt man schnell hinter sich und es geht weiter leicht bergauf und bergab duch den Wald, zum Teil auf Boardwalks. Nach ca. 1 km kommt man an einem großen Biberbau vorbei, Biber haben wir aber leider nicht gesehen..
Bis zum Erreichen der Big Branch Wilderness, einem Teil des National Wilderness Preservation System, wo Natur noch wild und menschenunberührt sein soll,  geht es dann zunächst nur noch bergab - wie angenehm ;)
Nach alles in allem 5 entspannten Kilometern ohne größere Anstiege kommt dann die Big Branch Shelter, wo wir noch einmal Wasser aufgefüllt haben bevor es dann zum Aufstieg der Baker Peak von 450 m auf 850 m ging. Oben angekommen kann man die tolle Aussicht über die Taconic Mountains bewundern während man über teils offene Felsvorsprünge stiefelt.
Im Anschluss ging es noch ca. 3 km auf recht ebenem Gelände bis zum Zeltplatz am Griffith Lake. Hier gibt es neben der Hütte noch 12 Zeltplattformen und mit der Quittung vom letzten Zeltplatz mussten wir nicht noch einmal zahlen.




Tag 4 - Griffith Lake nach Bromley Shelter - 14 km

Auch Tag 4 begannen wir mit einer längeren "Filter-Session" bei der nächsten Hütte, der Peru Peak Shelter. Bis dorthin verläuft der Weg über knapp einen Kilometer recht flach, um mit Beginn der Peru Peak Wilderness sich zum nächsten Gipfel dem Peru Peak auf über 1000m aufzuschwingen, im Anschluss geht es wieder 100 Höhenmeter hinunter, um den nächsten Gipfel Styles Peak mit einer Höhe von 1030 m zu erklimmen. Der Gipfel ist recht zugewachsen, aber man kann ein paar Blicke auf das Magic Mountain Ski Resort erhaschen.
An Tag 4 wollten wir es mal so richtig wissen und sind deshalb wieder knapp 400 Höhenmeter nach unten gesteifelt, um am Nachmittag mit dem Bromley Mountain den nächsten Aufsteig auf knapp 1000 m zu unternehmen. Glücklicherweise gab es genug Wasser und so konnten wir gut hydriert bei strahlendem Sonnenschein, den schönsten Gipfel der Wanderung problemlos erreichen. Hier gibt es eine Liftanlage und mehrere Skipisten, das sah im Sommer mit den vielen Blumen und dem satten Grün des Grases und der Bäume sehr toll aus. Zudem gibt es tolle Ausblicke und eine Hütte zum Übernachten. Nichts desto trotz haben wir uns wieder an den Abstieg gemacht, um unseren letzten Zeltplatz für unser AT-Abenteuer anzusteuern.
Das ging unkompliziert immer bergab auf guten Wegen, und obwohl wir erst gegen 18:00 da waren, haben wir noch eine schöne Zeltplattform ergattert und konnten so unsere letzte Nacht im Wald genießen, um uns am nächsten Tag auf den Weg nach Manchester zu machen ;)

 

 Tag 5 - Bromely Shelter nach Manchester Zentrum - 16 km

Mit insgesamt 16 km lag nun noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns, aber die Aussicht auf ein Hotelzimmer, (welches man bei gutem Handyempfang mit 4G auf ganzer Strecke bequem von unterwegs buchen konnte) beflügelte uns, und ein bisschen hat wohl auch geholfen, dass es fast immer bergab ging ;) So erreichten wir gegen Mittag die Route 11, der wir dann noch etwa 4 km weiter ins Zentrum von Manchester folgten. Gegen 14:30 gab es dann endlich die lang ersehnte Dusche im wirklich fabelhaften Toll Road Inn und anschließend Bier und sehr gute Burger und Pancakes in Bob's Dinner.

Fazit

Der Ton auf dem Trail ist freundlich, man wird ständig gegrüßt, und kommt vor allem abends an den Shelters auch ins Gespräch mit anderen (häufig thru-) Hikern, die sich auch immer noch begeistert zeigen, wenn man erzählt, dass man nur mal 5 Tage anwandert.
Schnell hat man so selbst ein fröhliches "How's it going?" auf den  Lippen, wenn einem ein anderer Hiker entgegen kommt und immer mal wieder wird auch auf dem Trail Pause gemacht um kurz zu erzählen - ich fand das sehr toll!
Auch von der Strecke her, ist dieser Abschnitt sehr empfehlenswert, um ein bisschen AT-Luft zu schnuppern, zumal uns von mehreren thru-hikern bestätigt wurde, dass dies einer der schönsten Abschnitte ist. Es geht größtenteils durch den Wald, der im berühmten Indian Summer so fabenfroh erstrahlt. Durch die Gipfel verschiedener Berge gibt es immer wieder schöne Ausblicke und außerdem schöne Seen, um sich zu erfrischen.
Der Weg ist gut markiert und gut gepflegt. Die Anstiege sind anstregend, aber technisch nicht schwer.
Es gibt in guten Abständen, um spontan zu sein Shelters (mit meist Platz für 6-10 Wanderer) mit anliegenden Zeltplätzen, die in der Regel eine Komposttoilette haben, es gibt sogar oft Toilettenpapier, aber nicht immer. Zeltplätze, die während der Saison durch einen Caretaker in Schuss gehalten werde, kosten im Sommer 5$, als thru-hiker gibts Rabatt: 1x 5 EUR zahlen für alle Zeltülätze in Vermont.
Bären wurden auf diesem Abschnitt wie uns mehrere Caretaker bestätigten seit Jahren nicht mehr gesehen, man muss also weder um sich noch um sein Proviant fürchten, lediglich zum Schutz vor Mäusen sollte das Essen aufgehängt werden.
Wasser findet man auf der Strecke auch recht regelmäßig, es muss aber behandelt werden, also einen Filter oder dergleichen einpacken (s. Wasseraufbereitung).
Als "Karte" hat sich für die 5 Tage die App AT Hiker (s.oben) sowie eine GPX-Datei mit sämtlichen Shelters des AT fürs GPS-Gerät als völlig ausreichend erwiesen.
Die An- und Abreise mit dem Bus und Albany als Ausgangapunkt war unkompliziert und auch zu empfehlen, wobei Albany keine sehr sehenswerte Stadt ist, aber sie hat einen Flughafen, so dass das Fliegen zum Beispiel von New York aus eine Alternative zum Mietwagen darstellt.
Wer den ganzen AT wandern möchte, wird aufgrund der Einreisebestimmungen (ESTA gibts nur für max. 90 Tage) ein Touristenvisum brauchen, dass man wie uns ein deutscher Wanderer erzählte, wohl recht einfach bekommt, wenn man angibt, den AT wandern zu wollen.
Am Ende bleibt bei uns der Wunsch, diesen Trail auch mal komplett zu wandern, aber das ist natürlich eine sowohl physisch als auch psychisch sehr forderndes Vorhaben, und ich bin nicht sicher, ob ich das durchhalten würde.. Vielleicht versuchen wir es ja trotzdem irgendwann mal.. ;)

Kommentare:

  1. Tolle Bilder und eine wirklich tolle Tour - da bekomme ich direkt Fernweh und wäre auch gerne wieder in den Bergen. Egal ob in Amerika oder irgendwo in den Alpen.

    Liebe Grüße!

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  2. Die Tour klingt super spannend - und wenn ich mir die Fotos anschaue, würde ich am liebsten sofort losziehen! Ihr hattet bestimmt eine tolle Zeit!

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  3. Wir sind nur den greenwall gelaufenen, da bekommt man wirklich Lust auf mehr!

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